Radfahrer halten sich eh nie an die Regeln

Radfahrer halten sich eh nie an die Regeln

Am Mittwoch wurde an der Stresemannstraße eine Radfahrerin von einem Lastkraftwagen überrollt.

Selbstverständlich folgt wieder die obligatorische Suche nach den Ursachen und der Frage, wie man so etwas künftig verhindern könnte. Auch das Thema mit den Abbiegeassistenten ist wieder im Gespräch.

Vor allem sind aber wieder ganz abstruse Theorien im Gespräch.

Beispielsweise dass Radfahrer andauernd ihre Vorfahrt durchsetzten. Das klingt brutal, martialisch, moralisch verwerflich und passt in das übliche Bild, dass sich Radfahrer ja eh nie an die Regeln hielten. Äh, ja, Radfahrer haben halt manchmal Vorfahrt, so lauten nunmal die Verkehrsregeln — obwohl eine Diskussionsteilnehmer bereits eine Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung favorisieren, nach der Radfahrer bitte an jeder Kreuzung und Einmündng absteigen und schieben sollen.

Mal im Ernst: Es mag Zeitgenossen auf dem Fahrrad geben, die eher unangenehm daherkommen. Und sicherlich setzt auch so mancher Radfahrer gerne seine Vorfahrt durch, auch strategisch unklug gegen schwerere Verkehrsteilnehmer. Und dennoch: Verzichteten nicht in jeder Minute bundesweit Dutzende Radfahrer auf ihre Vorfahrt gegenüber abbiegenden Kraftfahrzeugen, so gäbe es wohl ungleich häufiger tödliche Unfälle.

Hin und wieder funktioniert der Vorfahrtsverzicht jedoch nicht. Sei es wegen des toten Winkels, sei es ein Missverständnis, sei es dass einer der beiden die Verkehrsregeln missachtet, hin und wieder klappt es nicht — aber aufgrund dieses einen Radfahrers werfen wir wieder pauschal allen Radfahrern vor, ihre Vorfahrt täglich und immerzu durchsetzen zu wollen? Das passt doch vorne und hinten nicht.

Zweiter Punkt: Beinahe alle Kommentatoren scheinen sich einig, dass „auf die Straße verlegte Radwege“ derartige Vorfälle begünstigten. Leider ist es komplett andersherum: So genannte Hochbordradwege sind prädestiniert für tödliche Abbiegeunfälle, weil der Radverkehr für den abbiegenden Kraftfahrer mehr oder weniger schlecht einsehbar hinter parkenden Kraftfahrzeugen, Straßenbegleitgrün oder Bushaltestellen auftaucht. Da kann man ein komplettes Spiegelkabinett am Führerhaus spazieren fahren, wenn eine Werbesäule den Blick auf den Radweg unterbindet, bleibt dem Lastkraftwagen-Fahrer eigentlich nur das Warten auf einen Einweiser — aussteigen und schieben kommt vermutlich eher nicht in Frage.

Fahrradstreifen auf Fahrbahnniveau scheinen in der Unfallstatistik deutlich unauffälliger: Dort befindet sich der Radverkehr im Blickfeld des Kraftverkehrs.

Natürlich ist es zum heutigen Tage eine abenteuerliche Idee, neben einem bereits im Abbiegevorgang begriffenen Lastkraftwagen noch unbedingt geradeaus durchfahren zu wollen, aber das kann nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass man dem Kraftverkehr freie Fahrt verspricht und öffentlich darauf pocht, Radfahrer und Fußgänger sollten doch bitte an jeder Kreuzung auf ihre Vorfahrt verzichten. Das ist inakzeptabel.

Wir sind nicht bereit, über die Preise im Supermarkt einen Beifahrer des Lieferanten zu finanzieren? Okay, dann ist das so.

Wir sind bereit, für minutengenaue Lieferung zuzulassen, dass der Disponent seine Fahrer zu einem ungesunden Fahrstil anfeuert, der ein rechtzeitiges Erkennen von Gefahren beziehungsweise ein rechtzeitiges Anhalten unmöglich macht? Okay, dann ist das so.

Dann müssen wir wohl damit leben. Damit der Kraftverkehr ungestört fließen kann, sollen bitteschön alle anderen Verkehrsteilnehmer auf ihre Rechte verzichten. Ein Abbiegeassistent könnte wenigstens ein einzelner Baustein sein, um das Manövrieren schwerer und großer Kraftfahrzeuge durch die Stadt deutlich ungefährlicher zu gestalten.

Morgenstund hat Feinstaub im Mund, II

Morgenstund hat Feinstaub im Mund, II

Es sieht zwar eigentlich ganz nett aus, wenn sich die Sonnenstrahlen durch die Häuserschluchten brechen, aber leider ist das Dreck, der momentan aufgrund der für den Feinstaub günstigen Witterung stundenlang über der Stadt schwebt.

I love Hamburg

I love Hamburg

Klar liebt er Hamburg, er muss ja auch nicht selbst fahren.

Guten Morgen, Fahrradstadt!

Guten Morgen, Fahrradstadt!

Wer parkt denn hier eigentlich so? Alles Radfahrer, die auf eine Reaktivierung der Alsterfähre warten und schon mal einen Parkplatz reservieren? Oder sind das die Rückstände des morgendlichen Ausflugs an die Alster, bevor das schöne Fahrradwetter nur noch durch die Fensterscheiben beträumt werden kann?

Ganz entspannt

Ganz entspannt

Radfahrer und Fußgänger kommen angeblich entspannter zur Arbeit als Kraftfahrer. Öh, joa — bei der Aussicht ganz bestimmt.

Fahrradbrücke

Fahrradbrücke

Morgendlicher Berufsverkehr auf der Fahrradbrücke über dem Isebekkanal.

Wofür? Dafür!

Wofür? Dafür!

Eine so genannte Zeitung mit vier großen Buchstaben regt sich über die Hamburger Radverkehrsbeauftragte auf. Eine ausgewogene Analyse von Kirsten Pfaues Arbeit darf man nicht erwarten, stattdessen gibt’s noch Schelte vom politischen Gegner, aber whatever, für ein paar wütende Klicks auf facebook wird’s wohl reichen.

Obiges Foto dürfte als Gegenargumentation für den Artikel vollends genügen.

Eins, zwei, Polizei

Eins, zwei, Polizei

Heute ist wohl Großkontrollen-Montag bei der Polizei. Natürlich spielt da auch der Radverkehr eine total große Rolle und wie das halt so ist mit Polizeikontrollen und dem Radverkehr, jaja, so geht das halt auch mal wieder schief.

Oben an der Christuskirche beispielsweise stand die Polizei bereit und fischte Gehwegradler, Radfahrer mit Kopfhörern oder Rot-Grün-Schwäche aus dem Verkehr. Soweit, so gut, man scheint das wohl für nennenswerte Faktoren in der Unfallstatistik zu halten.

Dass gleichzeitig ein Fahrzeug der Hochbahn mit einem seltsamen Manöver auf einem Radweg einparkte, dabei vor den Augen der Ordnungsmacht frontal auf einige Radfahrer zufuhr und für eine nicht unerhebliche Gefährdung sorgte, interessierte leider niemanden. Irgendwo muss der ja schließlich parken, außerdem ist Rücksicht ja keine Einbahnstraße, sondern gilt natürlich auch für Radfahrer — dummerweise tauchen solche lustigen Manöver im Gegensatz zu Kopfhörern durchaus häufiger in der Unfallstatistik auf.

Dass die Polizei ihre eigenen Fahrzeuge in unmittelbarer Nähe im Kreuzungsbereich abstellte und damit einen astreinen toten Winkel konstruierte, äh, ja, interessiert natürlich auch niemanden: Man darf ja in die Weidenallee aufgrund von Bauarbeiten ohnehin nicht einbiegen. Dumm nur, dass man weder Absperrung noch Beschilderung sehen kann, denn davor parken ja zwei Fahrzeuge der Polizei. Ehrlich, einerseits warnt man Radfahrer andauernd vor dem toten Winkel, aber wenn Kontrolltag ist, dann geht das auch so, weil… man in die Straße eh nicht abbiegen darf?

Oh, und dann ging das lustige Spielchen noch weiter unten am Millterntor, wo sich die Polizei auf dem Radfahrstreifen zu einer Kraftfahrzeugkontrolle postiert hatte. Es ist schon ziemlich albern, an der einen Kontrollstelle das Gehwegradeln zu ahnden, an der nächsten aber den Radweg zu versperren und damit die ordnungswidrige Gehwegradelei zu provozieren… während gleichzeitig auf der anderen Seite der Kreuzung mal wieder bei beinahe jeder einzelnen Grünphase die Fahrradfurt versperrt wird und sich der Radverkehr zwischen den Stoßstangen hindurchschlängeln darf, immer mit dem Risiko, dass eines der Fahrzeuge gleich einfach so ohne Blick nach links und rechts weiterfährt?

Ja, von einer Fahrradstadt sind wir in Hamburg wohl noch weit entfernt. Aber Hauptsache ist doch, dass die Speichenreflektoren sitzen.

Guten Abend!

Guten Abend!

Mal wieder alles für die Fahrradstadt dabei: Alster, Telemichel und zwei Räder.

5.423

5.423

Jajajaja, es ist Frühling. Obwohl Petrus den Start in den Tag verpasste, leisteten die Hamburger Radfahrer einen ganz mutigen Vertrauensvorschuss und stiegen wieder aufs Rad. Lohnt sich, klar, bei dem Wetter — doch der Radweg „An der Alster“ ist mit knapp 8.500 Radfahrern am heutigen Tag schon hart an seiner Belastungsgrenze. Und das, bitteschön, Mitte März!